Brustkrebsvorsorge und Brustkrebs-Früherkennung

Im Kampf gegen die häufigste Krebserkrankung der Frau ist die Brustkrebsvorsorge heute wichtiger denn je. Denn die Möglichkeiten, frühzeitig Brustkrebs zu erkennen, und die Behandlung von Frauen mit Brustkrebs haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Die Chancen, Brustkrebs frühzeitig zu diagnostizieren und erfolgreich zu behandeln, sind damit gewachsen.

Doch die Entscheidungen, die Patientinnen, Ärztinnen und Ärzte gemeinsam zu treffen haben, sind damit auch komplizierter geworden. Denn nicht alles, was medizinisch machbar ist, ist im Einzelfall auch sinnvoll. Die richtige Balance zwischen sinnvollen Kontrollen und unnötiger Verunsicherung zu finden – darum geht es bei der Brustkrebsvorsorge und Früherkennung. Und auch bei der Behandlung von Brustkrebs müssen mögliche Nutzen und Nebenwirkungen von Operationen, Medikamenten und anderen Maßnahmen in jedem Einzelfall sorgfältig abgewogen werden. Dabei ist immer häufiger die Entscheidung der Patientin selbst gefragt.

Brustkrebsvorsorge zur Früherkennung von Brustkrebs
© Markus Mainka / Fotolia

Die folgenden Informationen zur Brustkrebsvorsorge richten sich an alle Frauen. Denn sie alle leben mit dem Risiko Brustkrebs, auch wenn die meisten von Ihnen niemals daran erkranken werden. Wissen hilft – gegen Brustkrebs und auch gegen die Angst davor. Und Sie können etwas dagegen tun:

  • mit Ihren persönlichen Lebensgewohnheiten,
  • mit dem Wissen um besondere Risikofaktoren,
  • indem sie regelmäßige Selbstuntersuchungen der Brust durchführen,
  • mit der Wahrnehmung von Früherkennungsterminen und
  • indem Sie mit Ihren Freundinnen, Schwestern, Müttern oder Töchtern darüber sprechen.

Im Folgenden erhalten Sie kurze Informationen über alle Möglichkeiten der Brustkrebsvorsorge und Brustkrebs-Früherkennung beim Arzt sowie eine Anleitung zur Selbstuntersuchung der Brust (Brustabtasten). Die einzelnen ärztlichen Untersuchungsmethoden zur weiteren Abklärung und Diagnose werden auf der Seite zum Thema Brustkrebs-Diagnostik genauer beschrieben.

Die Brustkrebsvorsorge beim Arzt

Was erwartet mich bei der Anamnese zur Brustkrebs-Früherkennung?

Mit Beginn des gesetzlichen Krebs-Früherkennungsprogramms soll ab dem 20. Lebensjahr ein Anamnese- und Aufklärungsgespräch über Risikofaktoren für Brustkrebs angeboten werden. Der wichtigste Risikofaktor für eine Brustkrebsentstehung ist dabei das Alter. Qualitätsgesicherte Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchungen zur Brustkrebsvorsorge sind, unabhängig von verschiedenen Erkrankungsrisiken, für jede Frau nützlich, deren Alter eine höhere Erkrankungsrate erwarten lässt. Die Anamnese anderem Fragen zu:

  • Alter,
  • Menarche,
  • Menopause,
  • BMI,
  • Zyklusphase,
  • der ersten ausgetragenen Schwangerschaft,
  • Stillzeit,
  • Krebserkrankungen und Strahlentherapie,
  • benignen Brusterkrankungen,
  • prämalignen Brusterkrankungen,
  • Brustoperationen,
  • Hormontherapie (Präparate, Zeitdauer, aktuelle Einnahme),
  • dem sozio-ökonomischen Status,
  • der familiären Krebsbelastung speziell was Brustkrebs und Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) angeht (genetische Risikokonstellation).

Was erwartet mich bei der klinischen Untersuchung zur Brustkrebsvorsorge?

Die ärztliche palpatorische (tastende) und inspektorische (betrachtende) Untersuchung von Brustdrüse und regionären Lymphabflussgebieten muss Bestandteil jedes Früherkennungsprogramms und jeder Brustkrebsvorsorge sein und soll zumindest ab dem 30. Lebensjahr lebenslang in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden. Studienergebnisse zeigen, dass gerade ab dem 40. Lebensjahr durch die ärztliche palpatorische und inspektorische Untersuchung der Brustdrüse und der Lymphabflussgebiete in Kombination mit der Mammographie die Brustkrebsvorsorge und Brustkrebs-Früherkennung wirksamer zu gestalten ist.

Brauche ich eine Mammographie zur Brustkrebs-Früherkennung?

Die Mammographie ist zur Zeit die einzige für die Erkennung von Brustkrebsvorstufen oder frühen Tumorstadien allgemein als wirksam anerkannte Methode. Prospektiv randomisierte Studien zeigen, dass mit der Einführung einer Screening-Mammographie als Röntgen-Reihenuntersuchung eine altersabhängige Brustkrebssterblichkeitsreduktion um 20 bis 40 Prozent möglich ist. Aufgrund der randomisierten Studien ist eine Wirksamkeit der Früherkennungsmammographie für Frauen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr, neuerdings auch im Alter zwischen 40 und 50, belegt, aber auch nach dem 70. Lebensjahr anzunehmen. Der individuelle Nutzen der Mammographie überwiegt ab dem 40. Lebensjahr die sich aus der Strahlenexposition ergebenden Risiken. Das Optimum des Verhältnisses aus Nutzen und Risiko liegt zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr.

Die Mammographie ist die derzeitig sicherste bildgebende Methode Brustkrebs zu diagnostizieren. Als generelle Früherkennungsmaßnahme wird allerdings nur das Mammografie-Screening für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren angeboten. Frauen, die jünger oder älter sind, müssen die Kosten für eine Mammografie selber tragen, wenn kein Verdacht auf eine Brustkrebserkrankung vorliegt. Wird bei einer Untersuchung ein Knoten oder eine sonstige Unregelmäßigkeit festgestellt und ihr Arzt verordnet zur weiteren Abklärung eine Mammografie, übernimmt die Krankenkasse auch weiterhin die Kosten.

Mammographie als Teil der Brustkrebsvorsorge
© Monkey Business / Fotolia

Erweiterte Diagnostik zur Brustkrebs-Früherkennung: Sonographie und Magnetresonanztherapie

Die Sonographie ist eine Zusatzuntersuchung für die Abklärung unklarer Befunde. Als alleinige Methode ist sie für die Früherkennung jedoch ungeeignet. Die Kontrastmittel-Magnetresonanztomographie ist eine Zusatzuntersuchung unter spezieller Indikationsstellung. Der Wert der Magnetresonanztomographie ist im Rahmen von prospektiv randomisierten Studien nicht evaluiert.

Die Selbstuntersuchung der Brust

Die Selbstuntersuchung der Brust trägt wesentlich zur individuellen Motivation und Bewusstseinsförderung für präventive Maßnahmen bei. Das regelmäßige, sachgerechte Brustabtasten begünstigt zudem die Entdeckung von Karzinomen. Auch wenn die Wirksamkeit der Selbstuntersuchung nicht überschätzt werden darf, muss die Selbstuntersuchung der Brust Bestandteil eines Früherkennungsprogramms sein und bleiben. Das richtige Brustabtasten kann nicht früh genug erlernt und begonnen werden, soll jedoch ab dem 30. Lebensjahr regelmäßig erfolgen. Frauen sollten außerdem über die Wirkung, Vor- und Nachteile der Brustabtastung in einem Früherkennungsprogramm informiert und aufgeklärt werden.

Wie sieht richtiges Brustabtasten zur Früherkennung von Brustkrebs aus?

Betrachten Sie sich zum Brustabtasten im Spiegel. Wahrscheinlich sind Ihre Brüste wie bei den meisten Frauen unterschiedlich groß. Das ist jedoch kein Grund zur Besorgnis. Aber gibt es darüber hinaus auffällige Unterschiede zwischen links und rechts? Einseitige Veränderungen in der Form oder Größe, Einziehungen, Vorwölbungen oder Hautveränderungen sind ein Grund, zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt zu gehen. Wenn Sie die Arme über den Kopf heben, sollten die Brüste ganz natürlich mit nach oben wandern. Achten Sie darauf, ob die Brust sich an einer Stelle verzieht, wenn Sie die Arme heben. Auch das ist ein Grund für einen Kontrolltermin bei der Ärztin oder dem Arzt.

Selbstuntersuchung der Brust als Teil der Brustkrebsvorsorge
© Markus Mainka / Fotolia

Selbstuntersuchung der Brust in aller Ruhe durchführen

Wenn Sie Ihre Brust abtasten, sollten Sie Zeit haben und sich entspannt fühlen. Achten Sie darauf, dass Sie wirklich jeden Teil der Brust systematisch abtasten. Spüren Sie, wie sich die Brust direkt unter der Haut und in der Tiefe anfühlt (dazu müssen Sie mit den Fingern etwas mehr Druck ausüben). Tasten Sie auch den Rand des Brustmuskels in Richtung Achselhöhle und die Achselhöhle selbst ab. Der Bereich um die Brustwarze fühlt sich etwas härter an. Auch das können Sie besser einordnen, wenn Sie die Brust regelmäßig abtasten und mit ihr vertraut sind. Zum Schluss sollten Sie noch Ihre Brustwarze zusammendrücken und darauf achten, ob sie Flüssigkeit absondert. Wenn Sie irgendeine Veränderung bemerken, die Sie beunruhigt, sollten Sie möglichst bald zur Ärztin oder zum Arzt gehen.

Bei welchen Symptomen sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Beim Auftreten eines der folgenden Anzeichen sollte die Frau unverzüglich einen Arzt aufsuchen, um eine nähere Untersuchung und Abklärung durchführen zu lassen:

  • tastbare Knoten in der Brust oder der Achsel
  • Schwellung oder Rötung der Brust (oder einem Teil derselben)
  • Hautveränderung (geschwürartige Veränderung)
  • scheinbare Entzündung der Brustwarze (Ekzem)
    Entzündung der Brust außerhalb der Schwangerschaft
  • „Orangenhaut“
  • Flüssigkeitsaustritt aus der Brustwarze (vor allem, wenn einseitig und blutig)
  • Einziehung der Brustwarze oder der Haut
  • neu auftretende Unterschiede in Größe und Umfang der Brust
  • Schwellung der Lymphknoten unter der Achsel

Auch bei vollkommenem Fehlen der oben angeführten Symptome kann eine Veränderung vorliegen, die von außen weder sichtbar noch tastbar ist. Diese Veränderungen können nur über eine Röntgenaufnahme der Brust festgestellt werden. Dabei kann es sich um die folgenden Veränderungen handeln:

  • nichttastbare Knoten
  • Verdichtungen
  • umschriebene Strukturunruhe
  • Ausweitung eines Milchgangs
  • spezielle Anordnung von kleinsten Verkalkungen (Mikroverkalkungen)

Autoren:
Prof. Dr. med. Prof. h.c. Christof Sohn
Dr. med. Florian Schütz

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