Urogynäkologie

Mit dem Fachbegriff Urogynäkologie wird ein wichtiger Teilbereich der Gynäkologie bezeichnet. Dieser Fachbereich beschäftigt sich in einer Frauenklinik mit den unterschiedlichen Formen von Harninkontinenz sowie Senkungsbeschwerden von Enddarm, Gebärmutter, Scheide und Harnblase.

In gewisser Weise beschäftigen sich Urogynäkologen also mit einem gesellschaftlichen Tabuthema. Denn Harninkontinenz wird – auch von den Betroffenen – gerne totgeschwiegen. Auftreten kann dieses Problem in völlig unterschiedlichen Schweregraden, etwa bei körperlicher Aktivität oder auch generell als ununterdrückbarer Harndrang.

Viele der Betroffenen trauen sich selbst in der urogynäkologischen Sprechstunde nicht über ihr Problem zu reden. Unter Umständen meiden sie sogar bestimmte Situationen oder geben Hobbys auf. Der Grund: Viele denken, es handle sich um keine richtige Krankheit, die sich nicht behandeln ließe. Jedoch gibt es verschiedene wirksame Therapien, durch die den Betroffenen geholfen werden kann.

Frau mit Inkontinenz
© absolutimages / Fotolia

Wie viele Frauen sind von der Harninkontinenz betroffen?

Das Risiko einer Harninkontinenz steigt bei Frauen mit dem Lebensalter. So sind etwa 30 Prozent aller 50-jährigen Frauen betroffen. Bis zum 70. Lebensjahr nimmt die Zahl der Betroffenen sogar noch einmal deutlich zu. Jedoch kann eine Harninkontinenz auch bereits in jüngeren Jahren entstehen, beispielsweise nach der Entbindung, nach Operationen oder Unfällen.

Dabei gibt es verschiedene Formen von Harninkontinenz:

  • Dranginkontinenz und -symptomatik (Reizblase): Die Frauen leiden unter einem permanenten Harndrang oder verlieren ungewollt Urin nach einem vorherigen Drangempfinden. Typisch für diese Form sind viele Toilettengänge, wobei nur geringe Mengen an Urin abgegeben werden sowie ein ständiger Harndrang. Verursacht wird diese Form der Harninkontinenz unter anderem von entzündlichen Veränderungen, Fremdkörpern wie Blasensteinen, hormonellen Störungen, als Folge von Operationen oder durch verschiedene Erkrankungen wie Diabetes oder Parkinson.
  • Belastungs- oder Stressinkontinenz: Im Falle einer Belastungsinkontinenz verliert die Frau bei körperlicher Belastung Urin. Als typisch für diese Form der Inkontinenz gilt das Einnässen beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben. Verursacht wird diese Inkontinenz dadurch, dass der Verschlussmechanismus nach einer Geburt, nach Operationen, durch eine Blasensenkung, eine Schwäche der Muskulatur oder des Bindegewebes oder durch Östrogenmangel zu schwach ausgeprägt ist.
  • Mischinkontinenz: Hierbei handelt es sich um eine Mischform von Drang- und Belastungsinkontinenz.
  • neurogene Inkontinenz: Bei dieser Form der Harninkontinenz liegt eine neurologische Grunderkrankung vor, die zu einer Fehlfunktion der Blase führt.

Arztsuche

Die Diagnostik in der Urogynäkologie

Um eine Harninkontinenz zu diagnostizieren, führt der Arzt zunächst eine Anamnese durch. Dabei klärt er ab, um welche Art von Beschwerden es sich handelt und informiert sich über die Krankengeschichte. Wichtig sind in diesem Zusammenhang etwa frühere Operationen oder sonstige Vorerkrankungen sowie die Einnahme von Medikamenten. Anschließend erfolgen eine körperliche Untersuchung sowie die Untersuchung des Urins. Weitere Untersuchungen runden die Diagnostik ab, darunter etwa

  • eine Ultraschalluntersuchung,
  • eine Blasenspiegelung und
  • die sogenannte Urodynamik – also eine Funktionsuntersuchung.

Gegebenenfalls erfolgt zusätzlich eine Röntgenuntersuchung.

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Die Therapie in der Urogynäkologie

Bei der Harninkontinenz steht ein relativ breites Spektrum an operativen und nicht-operativen Therapiemaßnahmen zur Verfügung. Muss operiert werden, kommen organerhaltende Verfahren zum Einsatz. Des Weiteren werden im Krankenhaus TVT-Operationen sowie verschiedene Injektionstechniken verwendet. Diese kommen überwiegend bei einer Belastungsharninkontinenz zum Einsatz. Falls nötig, werden auch verschiedene Formen von Scheidenfixationen durchgeführt, um Harninkontinenz zu verhindern.

Weil eine Operation nicht in jedem Fall notwendig ist, stehen zudem diverse nicht-operative Verfahren zur Auswahl. Dabei handelt es sich überwiegend um die medikamentöse Therapie sowie das Beckenbodentraining.

Ein interdisziplinärer Ansatz

In der Urogynäkologie legen die Fachärzte großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Fachabteilungen. Die Zusammenarbeit mit Chirurgen erfolgt etwa dann, wenn die Patienten auch unter einer Inkontinenz für Stuhl und Winde leiden. In diesem Fall erfolgt die Diagnostik vor einem kombinierten Eingriff in Zusammenarbeit mit den Chirurgen. Auch auf eine enge Kooperation mit den behandelnden Ärzten außerhalb der Klinik legen Urogynäkologen großen Wert, da sie so Befunde und Informationen schnell ausgetauschen können.