Brustkrebs-OP

Ziel einer jeden Brustkrebs-OP zur Entfernung eines bösartigen Tumors oder eines Befundes, der trotz intensivster Untersuchungen nicht abgeklärt werden konnte, ist es, das kranke Gewebe mit einem Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe vollständig aus der Brust zu entfernen. Generell gibt es dabei zwei Varianten der Brustkrebsoperation: Entweder die Brust kann erhalten bleiben, oder die Brust muss entfernt werden. Heutzutage können 70 bis 80 Prozent aller Tumoren brusterhaltend operiert werden. Doch es gibt Situationen, bei denen dies nicht möglich ist, etwa bei sehr großen bösartigen Tumoren, einem Befall der Haut oder der Ausbildung mehrerer Tumoren in verschiedenen Arealen (Quadranten) der Brust.

Der richtige Zeitpunkt für eine Brustkrebs-OP

Der Wunsch, den Tumor schnellstmöglich loswerden zu wollen, ist mehr als verständlich. Doch Sie haben Zeit! Bedenken Sie, dass der Tumor nicht erst seit wenigen Tagen in Ihrer Brust weilt, sondern die erste Krebszelle wahrscheinlich bereits vor mehreren Jahren entstanden ist. Experten schätzen, dass die Zeit zwischen der ersten entstandenen Krebszelle und dem tastbaren Tumor ca. 5 bis 7 Jahre beträgt.

Dieses Wissen lässt Sie sicherlich nicht besser schlafen, aber es zeigt Ihnen, dass eine übertriebene Eile nicht geboten ist. Nehmen Sie sich Zeit und denken nach! Nach der Wahl Ihres behandelnden Zentrums ist nun die Vorbereitung auf die Brustkrebs-OP das Wichtigste. Die Operation stellt den ersten Eckpfeiler der Therapie einer Brustkrebserkrankung dar. Sprechen Sie mit Ihrem Operateur über die verschiedenen Möglichkeiten einer Brustkrebsoperation.

Brustkrebs-OP
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Verschiedenen Methoden der Brustkrebsoperation

Die verschiedenen Operationsmethoden sollen im Folgenden kurz erklärt werden. Über Ihre persönliche Situation und die verschiedenen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, muss aber Ihr behandelnder Operateur mit Ihnen erläutern.

Radikale Mastektomie (Brustamputation)

Die Amputation der Brust stellt natürlich die ausgedehnteste Brustkrebs-OP dar. Trotzdem hat sich in den Operationstechniken viel getan. Wo früher mit der Entfernung des großen Brustmuskels sehr radikal operiert worden war, wird heutzutage so schonend wie möglich operiert.

Je nach Ausdehnung des Tumors wird ein mehr oder weniger spindelförmiger Schnitt angelegt, der ca. zwei Zentimeter von der Mittellinie beginnt und mehrer Zentimeter unterhalb der Falte der Achselhöhle endet. Die Brustdrüse wird mitsamt der Brustwarze und der angrenzenden Haut sowie mit der Faszie (Überzug) des Brustmuskels entfernt. Anteile des Brustmuskels werden nur dann mitentfernt, wenn vor oder während der Brustkrebs-OP der Eindruck vorhanden ist, dass dieser befallen ist. Zurück bleibt eine strichfömige Narbe über einige Zentimeter.

Skin-sparing-Mastektomie

Bei der sogenannten Skin-sparing-Mastektomie wird ein rautenförmiger Schnitt um die Brustwarze herum geführt und von diesem der Drüsenkörper bis hin zum großen Brustmuskel entfernt. Dabei wird die Brustwarze mit entfernt. Die Haut wird dabei so wenig wie nur möglich weggeschnitten. Diese Operationsmethode lässt einen raschen Wiederaufbau der Brust zu. Allerdings kann diese Technik nur dann durchgeführt werden, wenn die Haut von der Krebserkrankung nicht betroffen ist.

Vom gleichen Schnitt kann in der Regel die Achselhöhlenlymphknotenoperation durchgeführt werden. Die dabei entstehende Hauttasche wird entweder für einen späteren Wiederaufbau (in der Regel 6 Monate) so belassen oder direkt mit einer Silicon-Prothese gefüllt. Letzteres hat aber den Nachteil, dass bei einer eventuell notwendigen Bestrahlung der Brustwand und/oder der Lymphabflusswege eine sehr hohe Gefahr einer Verkapselung der Prothese besteht.

Eine Verkapselung der Prothese hätte eine Verhärtung der Brust um die Prothese herum mit einer evtl. Schmerzhaftigkeit zur Folge. Zumeist muss die Prothese dann wieder entfernt werden. Ein Direktaufbau der Brust ist also bei evtl. bevorstehender Bestrahlung der Brustwand sehr genau zu überdenken.

Subkutane Mastektomie

Die früher durchgeführte subkutane Mastektomie (SCM), bei der der Brustdrüsenkörper unter Beibehaltung der Brustwarze entfernt wurde, ist vollständig verlassen worden, da auch bei genauester Operation ca. 10 bis 15 Prozent der Brustdrüsengänge in der Brustwarze verbleiben. Da die meisten Brustkrebserkrankungen von den Milchdrüsengängen ausgehen, besteht deswegen weiterhin die Gefahr eines Rezidivs in der Brustwarze. Aus diesem Grund ist diese Brustkrebs-OP nur im Individualfall mit der Patientin zu besprechen und kann nicht mehr generell empfohlen werden.

Brusterhaltende Operation bei Brustkrebs

Bei der brusterhaltenden Brustkrebs-OP wird nur der von dem Tumor befallene Teil der Brustdrüse entfernt. Der Tumor muss dabei einen Sicherheitsabstand von ca. 10 mm nach allen Seiten haben. Die Schnittführung wiederum richtet sich nach der Lage des Tumors in der Brust. Der Vorteil dieser Brustkrebs-OP liegt natürlich in dem Erhalt des für die Weiblichkeit wichtigen Organs. Die brusterhaltende Therapie hat aber auch Nachteile:

  • Obwohl der Tumor immer mit einem gewissen Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe vom Operateur entfernt wird, kann es doch sein, dass Krebsvorstufen, die die meisten Tumoren umgeben, in der Brust verblieben sein können. Dabei kann man dem Operateur gar keinen Vorwurf machen! Diese Krebsvorstufen sind nicht sichtbar oder tastbar und können nur unter dem Mikroskop vom Pathologen erkannt werden. Wenn also eine sogenannte R1-Situation (Reste des Tumors ggf. in der Brust verblieben) gegeben ist, muss leider noch einmal operiert werden, damit für Sie eine 100-prozentige Sicherheit gegeben ist, dass alle erkennbaren Zellen aus der Brust entfernt worden sind. Bis zu 10 Prozent aller brusterhaltend operierten Patientinnen benötigen aus diesem Grund eine zweite Brustkrebs-OP.
  • Wenn ein einzelnes Segment der Brustdrüse mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand entfernt worden ist, kann leider trotzdem nicht garantiert werden, dass in nächster Umgebung des entfernten Tumors nicht noch weitere Herde vorhanden sind oder dass der Tumor bereits in der Brust kleinste Satellitenherde gestreut hat. Bei einer brusterhaltenden Therapie verbessert aus diesem Grund eine Bestrahlung der Brust nach der Operation die Lokalrezidivrate (späteres Wiederauftreten des Tumors in derselben Brust) um ca. 30 Prozent. Aus diesem Grund wird bei jeder brusterhaltenden Operation eine Bestrahlung der Brust empfohlen.

Duktektomie

Bei einer blutigen Sekretion aus einer Brustwarze muss bei unauffälliger Mammographie und Ultraschallbefunden abgeklärt werden, ob es sich hierbei um eine gutartige oder um eine bösartige Veränderung handelt. Häufiger sind die gutartigen Veränderungen!

Bei einer Galaktographie, bei der ein Kontrastmittel in den Milchgang gespritzt wird, aus dem das Blut austritt, wird das über eine nachfolgende Mammographie gezeigt, wo das Kontrastmittel sich aufstaut (Gangabbruch). Mit Hilfe dieses Röntgenbildes kann bei der Operation das Areal gefunden werden, das entfernt werden muss. Zusätzlich dazu spritzt man etwas blaue Flüssigkeit in den Milchgang (Ductus). Die Schnittführung ist in der Regel um die Brustwarze herum. Der Operateur schneidet den gesamten Milchgang bis hin zu dem Areal des Gangabbruchs heraus. Erst der Pathologe kann nach Tagen sagen, ob der Befund bös- oder gutartig ist.

Segmentresektion

Bei der Segmentresektion muss das gesamte befallene Läppchen mitsamt den Milchgängen (Segment) und dem Tumor entfernt werden. Natürlich gehen die entnommenen Gewebsteile dem Volumen der Brust verloren. Trotzdem können moderne Operationsmethoden (interne Rotationslappen) dazu führen, diesen Verlust möglichst gut zu kaschieren. Moderne Operationstechniken, beinhalten neben der Operation der Brust und der Achselhöhle von einer Schnittführung aus auch Schnittführung um die Brustwarze herum sowie vom Brustansatz. Fragen Sie Ihren Operateur danach.

Zentrale Segmentresektion

Wenn ein bösartiger Tumor direkt hinter der Brustwarze liegt oder die Brustwarze sogar vom Krebs befallen ist, muss diese mitsamt des Tumors entfernt werden. Dabei wird über einen spindelförmigen Schnitt Brustwarze und Tumor aus der Brust ausgeschnitten. Danach sieht man nur noch eine wenige Zentimeter große, strichförmige Narbe an der Stelle, an der zuvor die Brustwarze lag. Eine Bestrahlung der verbliebenen Brust ist auch bei der zentralen Segmentresektion notwendig.

Quadrantresektion

Bei größeren Tumoren kann ebenfalls eine brusterhaltende Operation versucht werden. Hierbei muss dann gegebenenfalls ein ganzer Quadrant (ein Viertel der Brustdrüse) entfernt werden. Durch einen internen Rotationslappen können auch Entfernungen eines ganzen Quadranten fast unsichtbar gemacht werden.

Neoadjuvante Chemotherapie vor der Brustkrebsoperation

Bei einigen Patientinnen mit Tumoren, die deutlich größer sind als 2 cm, kann die Durchführung einer Chemotherapie vor der Brustkrebs-OP sinnvoll sein. Die Chemotherapie kann den Durchmesser des Tumors so weit reduzieren, dass eine brusterhaltende Operation erst möglich wird. Eine Brustentfernung lässt sich durch solch eine präoperative Chemotherapie gegebenenfalls vermeiden.

Vor allem Patientinnen, bei denen eine Chemotherapie nach der Brustkrebs-OP sinnvoll erscheint, werden auf die Möglichkeit der präoperativen Chemotherapie hingewiesen. Denn die Chemotherapie vor der Operation verkleinert nicht nur den Tumor, sondern sie zeigt auch, ob die Tumorzellen auf die verabreichten Medikamente reagieren. Zum einen kann der Experte dadurch eine bessere Einschätzung Ihrer Prognose vornehmen. Zum anderen ist nachgewiesen worden, dass Patientinnen bei einer präoperativen Chemotherapie weniger Nebenwirkungen haben als bei einer Chemotherapie nach der Brustkrebs-OP.

Chemotherapie
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Axilläre Lymphonodektomie bei Befall der Achsellymphknoten

Die Beurteilung der Achselhöhlenlymphknoten wird seit vielen Jahrzehnten zur Ermittlung der Risikokonstellation der einzelnen Patientin durchgeführt. Wenn Lymphknoten befallen sind, so steigt das Risiko für die Entwicklung von Brustkrebs-Metastasen in anderen Organen (z. B. Leber, Lunge, Knochen). Mit jedem befallenen Lymphknoten steigt das Risiko weiter an. Generell werden zwischen 10 und 20 Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt, in der normalerweise ca. 60 Lymphknoten vorhanden sind. Die Operation kann von einem separaten Schnitt durchgeführt werden, sie kann aber auch von der Schnittführung der Brustdrüse durchgeführt werden.

Als besondere Nebenwirkung der Achselhöhlenlymphknotenoperation werden Verletzungen der sensiblen Nerven, die die Haut an der Rückseite des Oberarms versorgen, berechnet. Des weiteren können Lymphabflußwege des Armes so geschädigt werden, dass ein Lymphödem entsteht (Stau der Lymphflüssigkeit im Arm). Dieses Lymphödem kann fast unmerklich vorhanden sein, kann aber auch starke Ausmaße annehmen. Je mehr Lymphknoten entfernt werden, desto höher ist die Gefahr eines Lymphödems.

Sentinel- oder Wächter-Lymphknoten

Zur Vermeidung der Lymphödeme und der anderen möglichen Nebenwirkungen wurde die sogenannte Wächterlymphknotenoperation entwickelt. Dabei wird unter die Haut oder um den Tumor herum ein Kontrastmittel (radioaktiv und/oder Farmlösung) gespritzt. Die Lymphabflusswege der Brustdrüse bringen dieses Kontrastmittel zu dem ersten Lymphknoten, der dem Tumor in Richtung Achselhöhle nachgeschaltet ist. Hier verfängt sich das Kontrastmittel und markiert somit diesen sogn. Wächterlymphknoten.

Der Wächterlymphknoten kann mittels radioaktivem Messgerät oder Austritt der Farblösung aus dem Gewebe bei der Operation identifiziert werden. Dieser Lymphknoten (manchmal sind es auch mehrere) wird dann entfernt und vom Pathologen untersucht. Er steht repräsentativ für sämtliche Lymphknoten der Achselhöhle, wenn er frei von Tumorzellen ist (N0). Wenn der Wächterlymphknoten Tumorzellen enthält, muss in einer zweiten Operation der Rest der Achselhöhlenlymphknoten untersucht werden (wieder 10 bis 20 Lymphknoten der Achselhöhle) damit ihr behandelnder Spezialist eine genauere Bewertung Ihrer Risikokonstellation vornehmen kann.

Bei der Wächterlymphknotenoperation gibt es so gut wie keine speziellen Nebenwirkungen. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Wächterlymphknotenoperation nur bei kleineren Tumoren (< 2-3 cm) wirklich genau genug ist. Bei größeren Tumoren oder bei bereits tastbaren Lymphknoten vor der Operation muss die reguläre Achsenhöhlenlymphknotenausräumung durchgeführt werden.

Mögliche Risiken und Komplikationen bei einer Brustkrebs-OP

Wie bei jeder Operation am menschlichen Körper können bestimmte Komplikationen auch bei der operativen Brustkrebsbehandlung vorkommen. Hierzu zählen:

  • Infektionen der Wundhöhle und der Narbe, die vor allen Dingen bei Diabetikern und Rauchern vermehrt vorkommen
  • Narbenbildung, die ebenfalls vor allem bei Rauchern und Diabetikern häufiger vorhanden sind. Wenn Sie bereits wissen, dass Sie eine schlechte Narbenbildung haben oder zu einer Risikogruppe zählen, sollten Sie sich narbenhemmende Pflaster in der Apotheke besorgen.
  • Thrombose- und Emboliegefahr, da Sie während der Brustkrebsoperation still liegen und sich im Anschluss nicht viel bewegen können. Aus diesem Grund werden Ihnen Antithrombosestrümpfe ausgehändigt, die Sie bitte während des gesamten Aufenthalts tragen sollten, und es werden Ihnen Antithrombosespritzen (Heparin) in die Bauchdecke gespritzt.

Nachblutungen im Anschluss an die Brustkrebs-OP

Obwohl das Operationsgebiet immer nur dann verlassen wird, wenn keine Blutung mehr besteht, so können sich doch im Laufe der Zeit Blutgefäße wieder eröffnen, die zu einer Nachblutung führen. In der Regel können diese Blutgefäße durch einen Druckverband wieder verschlossen werden. In einem kleine Prozentsatz der Patientinnen muss jedoch sofort eine zweite Operation durchgeführt werden, bei der das blutende Blutgefäß aufgefunden und zum Stillstand gebracht wird. Diese zweite Operation nennt man Revisionsoperation.

Bei allen Operationen werden zum Schutz vor Nachblutungen und zur Vermeidung von Flüssigkeitsansammlungen im OP-Gebiet Drainagen eingelegt. Dies sind Plastikschläuche, die im Inneren des Körpers mit Löchern versehen sind und Blut und Wundflüssigkeit nach außen in einen Beutel oder in eine Vakuumflasche befördern. Die Drainagen werden in der Regel nach 2 bis 5 Tagen entfernt, was von der individuellen Heilung der Wunden abhängt.

Das Ziehen der Drainagen ist in der Regel schmerzlos und geschieht innerhalb von Sekunden. Kommt es nach dem Ziehen der Drainagen zu einer Flüssigkeitsansammlung in der Brust, kann diese mit Hilfe einer Spritze abpunktiert werden. Dies ist in der Regel schmerzlos, da man hierbei die bereits bestehende Schnittführung verwendet, bei der ja die Nerven bereits in der Vollnarkose durchtrennt worden sind. Trotz der Einfachheit dieser Maßnahme, sollte sie nur bei wirklicher Notwendigkeit durchgeführt werden, da immer eine Infektionsgefahr von jeder Punktion ausgeht.

Ablauf der Brustkrebsoperation

Aufnahme im Krankenhaus

Im Brustzentrum angekommen werden sie nach der Aufnahme durch einen Assistenzarzt in der Regel dem Operateur vorgestellt. Hier können Sie noch einmal alle Fragen, die Sie sich im Vorfeld überlegt haben, stellen. Vielleicht ergeben sich im Gespräch mit dem Operateur ja auch neue Fragen, die sie mit ihm erörtern können. Er bespricht mit Ihnen die Schnittführung und den Zeitplan für den nächsten Tag. Spätestens jetzt müssen Sie die Einwilligungserklärung für den Eingriff unterzeichnen.

Ein Anaesthesist wird Sie über die Narkose und ihre Risiken aufklären. Wenn Sie das Narkoseprotokoll unterschrieben haben, steht Ihnen in der Regel der weitere Abend zur freien Verfügung. Viele Patientinnen gehen noch einmal nach Hause und kommen am nächsten Tag nüchtern wieder in die Klinik. Oder sie gehen mit ihrem Partner oder ihrer besten Freundin abends gut essen. Was immer Sie auch tun werden, lässt sie wahrscheinlich nicht von den Gedanken, die sich um die Erkrankung drehen, ablenken. Vielleicht lassen Sie sich von dem Stationsarzt eine Einschlafhilfe mitgeben.

Vorbereitung im OP-Saal

Am nächsten Morgen werden Sie zunächst für die Brustkrebs-OP vorbereitet (Abrasieren der Haare, spätestens Anziehen der Antithrombosestrümpfe, Ablegen des Schmucks und Einschließen desselben, ggf. Versorgung von Zahnprothesen). Danach werden Sie mit ihrem Bett in den OP gefahren. Hier angekommen, wird noch einmal Ihre Identität überprüft und Sie werden auf den OP-Tisch umgelagert. Auf dem OP-Tisch geht es nun in den OP-Saal, wo Sie der Anaesthesist begrüßen wird. Nach dem Legen einer Nadel in die Vene, über die später die Medikamente gegeben werden, wird alles für die Brustkrebs-OP vorbereitet. Wenn die ersten Narkosemittel durch Ihre Blutbahn fließen werden Sie müde und wachen erst dann wieder auf, wenn alles bereits vorbei ist.

Direkt nach der Brustkrebs-OP

Am Ende einer jeden Brustkrebsoperation werden gelochte Plastikschläuche in die Wundhöhle eingelegt, damit die Wundflüssigkeit abtransportiert werden kann. Die Haut wird verschlossen z.B. mit selbstauflösenden Fäden oder solchen die man nach 10 Tagen wieder ziehen muss. Nach der Operation kann ein Druckverband angelegt werden, um eine Nachblutung stärker zu vermeiden. Während der Operation wird Ihnen zur Verhütung einer Infektion ein Antibiotikum gegeben. Wenn Sie Allergien gegen bestimmte Antibiotika haben, teilen Sie dies Ihrem Operateur und dem Narkosearzt mit!

Von dem sogn. Aufwachraum, wo Sie unter besonderer Kontrolle des Pflegepersonals sind, geht es nach ca. 2 Stunden zurück auf die Station. Wie die Narkose vertragen wird, ist sehr individuell. Viele Patientinnen sind bereits danach wieder fit, andere brauchen 1 bis 2 Tage, um ihre volle Leistungsstärke wieder zu erreichen. Der Operateur wird in der Regel noch am selben Tag zu Ihnen kommen um Ihnen das Ergebnis der Brustkrebs-oP mitzuteilen, doch erwarten Sie nicht zu viel. Das letzte Wort hat immer der Pathologe, der das Gewebe unter dem Mikroskop betrachten wird. Die Erstellung dieses pathologischen Gutachtens nimmt aber 5 bis 8 Arbeitstage in Anspruch. Diese Zeit des Wartens und Bangens ist aber notwendig, damit eine wirklich genaue Analyse des Gewebes durchgeführt werden kann.

Verhalten nach der Brustkrebsoperation

Sie sollten für die nächsten 2 bis 4 Wochen Ihren Körper etwas schonen. Dies geht zum einen von der Vollnarkose aus, die Sie erhalten haben. Zum anderen braucht der Körper die Kraft für die Wundheilung. Nach diesem Zeitraum sollte Ihr Körper aber wieder voll belastbar sein, wobei zumeist zu diesem Zeitpunkt entweder die Bestrahlungstherapie oder weiterführende medikamentöse Therapien beginnen, so dass Ihr Körper sich dann wieder auf eine neue Situation einstellen muss. Auf jeden Fall sollten Sie folgende Tätigkeiten für die ersten zwei bis vier Wochen nach einer Brustkrebs-OP unterlassen:

  • Besuch eines Schwimmbades oder einer Sauna
  • aktive sportliche Tätigkeiten wie Handball, Tennis oder Golf, schweres Heben auf beiden Seiten
  • ruckartige Bewegungen
  • Reisen in exotische Länder mit einem erhöhten Infektionsrisiko

Durchaus erlaubt und anzuraten sind Spaziergänge, Fahrradfahren (nicht sportlich), Geschlechtsverkehr, Reisen innerhalb Europas, wo die medizinische Versorgung gegeben ist.

Nachsorge nach einer Brustkrebs-OP

Nach Abschluss der Behandlung, im Fall einer adjuvanten Chemotherapie spätestens sechs Monate nach der Brustkrebs-OP, wird zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen geraten. Diese Untersuchungen zielen vor allem darauf, einen örtlich begrenzten Rückfall frühzeitig zu erkennen, ein so genanntes Lokalrezidiv, oder ein neues Karzinom in der anderen Brust. Die Nachsorgetermine dienen auch der Überwachung bezüglich möglicher Folgen und Nebenwirkungen der vorausgegangenen Tumorbehandlung. Schließlich ist es auch Aufgabe der Nachsorge, der krebskranken Patientin bei der Lösung und Verarbeitung von körperlichen, psychischen und sozialen Problemen zu helfen.

Eine intensive Suche nach Fernmetastasen bei beschwerde- und symptomfreien Patientinnen bringt dagegen nach dem gegenwärtigen Stand der Erkenntnisse für die Behandlungsmöglichkeiten in der Regel keinen Vorteil. Deshalb gilt weiterhin Zurückhaltung bei aufwändigen Untersuchungen oder Tumormarkerbestimmung ohne konkreten Anlass. Nur bei konkretem Verdacht auf eine Metastasierung werden weitergehende apparative und labormedizinische Untersuchungen durchgeführt.

Klinische Untersuchung

Zu Art und zeitlichen Abständen der empfohlenen Nachsorgeuntersuchungen geben die Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft einen Rahmen vor:

  • In den ersten drei Jahren erfolgen die Untersuchungen alle drei Monate, im vierten und fünften Jahr alle sechs Monate.
  • Nach fünf Jahren ohne Rückfall sind Kontrollen in jährlichen Abständen ausreichend.

Bei jedem Termin erkundigt sich der Arzt genau nach dem Befinden und führt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei werden der Brustbereich, die Brustwand und die Lymphabflusswege der Brust abgetastet. Es wird überprüft, ob der Arm der operierten Seite möglicherweise durch eine Lymphstauung geschwollen, ob die Leber vergrößert ist und in welchem Zustand das Skelett ist.

Mammographien

Nach brusterhaltender Operation wird die betroffene Brust in den ersten drei Jahren alle sechs Monate mammographiert, danach jährlich. Bei der nicht betroffenen Brust genügen von Anfang an jährliche Mammographien.

Was tun bei plötzlichen Beschwerden?

Selbstverständlich muss eine Patientin nicht bis zum nächsten festen Arzttermin warten, falls sie Veränderungen bemerkt oder unklare Beschwerden hat. Um ein gutes Gefühl für den eigenen Körper zu entwickeln, empfehlen Frauenärzte die Selbstuntersuchung der Restbrust bzw. der zweiten Brust.

Autoren:
Prof. Dr. med. Prof. h.c. Christof Sohn
Dr. med. Florian Schütz

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