Scheidenvorfall


Der Scheidenvorfall wird in der humanmedizinischen Fachsprache als Vaginaprolaps oder Prolapsus vaginae bezeichnet. Es handelt sich um eine Ausstülpung der Vagina aus dem Körper heraus.

Der Scheidenvorfall stellt eine besonders intensive Senkung der Vagina dar. Scheidensenkungen ohne Ausstülpung werden in der Fachwelt als Vaginalsenkung oder Descensus vaginae bezeichnet. In der humanmedizinischen Fachliteratur ist es üblich, eine Vaginalsenkung nach vier Schweregraden einzuteilen. Der Vaginaprolaps stellt dabei eine Vaginalsenkung vierten Grades dar.

Scheidenvorfall
Scheidenvorfall

Symptome und Beschwerden

Zu den charakteristischen Symptomen des Scheidenvorfalls gehört ein nach unten intensiver werdendes Druckgefühl im Beckenbereich. Im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung ist eine Ausstülpung der Vaginalschleimhaut durch die Vulva erkennbar. Je nach Lage des Einzelfalls ist die Ausstülpung auch direkt zu sehen, in der Mehrzahl der Fälle bleibt der Vaginaprolaps allerdings auf einen kleinen Bereich beschränkt. Hier sind dann Hilfsmittel notwendig, um die Ausstülpung sichtbar zu machen. Eine kleine Ausstülpung ist ebenso denkbar wie ein großer, deutlich sichtbarer Austritt der Vagina.

Sofern neben dem Scheidenvorfall auch eine Zystozele vorliegt, was üblich ist, kann es zu einer Harninkontinenz kommen. Als Zystozele wird ein Blasenvorfall bezeichnet, bei dem sich die Harnblase in die vordere Wand der Scheide stülpt. Bei größeren Zystozelen ist auch das Auftreten einer Harnverhaltung denkbar. Ein Vaginaprolaps kann zudem von einer Rektozele begleitet werden. Hierunter wird ein Tiefertreten des Rektums bzw. eine Aussackung seiner Vorderwand in Richtung der Vagina verstanden. Sind Rektozelen vorhanden, kann es zu Problemen beim Absatz des Kots kommen. Folglich sind Stuhlbeschwerden in derartigen Fällen zu erwarten.

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Ein Scheidenvorfall geht nur selten mit intensiven Schmerzen einher. In der Regel nehmen die betroffenen Frauen lediglich Rückenschmerzen wahr, deren Intensität im Verlaufe des Tages merkbar zunimmt. Manche Frauen leiden zudem unter einem Fremdkörpergefühl in der Vagina.

Ursachen und Risikofaktoren

Ein Scheidenvorfall kann verschiedene Ursachen haben. In der Regel tritt er allerdings bei Frauen auf, die bereits eine oder mehrere Geburten abgeschlossen haben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Geburten häufig zu Schäden des Halteapparats der Vagina sowie Schädigungen der Nerven führen können.

Ein Vaginaprolaps tritt nur sehr selten bei Frauen auf, die noch kein Kind geboren haben. Bei diesen Frauen gilt eine Schwäche des Beckenbodens als Auslöser des Vorfalls. Die Beckenbodenschwäche kann entweder angeboren oder die Folge der Wechseljahre sein. Darüber hinaus können Beckenbodenschwächen auch durch andauernde Über- oder Fehlbelastungen des Beckens hervorgerufen werden.

Zu den weiteren denkbaren Ursachen eines Scheidenvorfalls gehört ein stark erhöhter Druck in der Bauchhöhle. Dieser tritt insbesondere auf bei

  • Adipositas (Fettleibigkeit)
  • chronischer Verstopfung
  • chronischem Husten

Arztsuche

Untersuchungen und Diagnose

Sofern der Verdacht eines Scheidenvorfalls besteht, ist ein Gynäkologe zu kontaktieren. Dieser ermittelt in der Anamnese die Krankengeschichte durch eine gezielte Befragung der Patientin. Dadurch erhärten sich bestehende Verdachtsmomente oder neue Krankheitsbilder rücken in den Fokus.

Je nach Intensität des Scheidenvorfalls kann der Arzt diesen bereits während der gynäkologischen Untersuchung erkennen. Um den Vorfall sichtbarer zu machen, kann er die Patientin auffordern, wie beim Stuhlgang zu pressen. Eine möglicherweise bestehende Rektozele ist durch eine rektale Untersuchung tastbar. Zu den weiteren diagnostischen Maßnahmen gehören die Durchführung einer Blasenspiegelung sowie weitere urologische Untersuchungen wie

  • Messung des Harnstrahls
  • Bestimmung des Restharns
  • Messungen des Blasendrucks

Therapie bzw. Behandlung

Die Behandlungsempfehlung richtet sich nach

  • der Intensität des Vorfalls
  • dem Alter der Patientin
  • dem Stadium des Scheidenvorfalls
  • einem ggf. bestehenden Kinderwunsch der Patientin

Während bei einer leichten Gebärmuttersenkung Beckenbodentraining hilfreich ist, reicht dieses zur Behandlung eines Vaginaprolaps nicht mehr aus. In der Regel ist deshalb die Anordnung einer unter Vollnarkose durchzuführenden Operation indiziert.

Hierzu stehen zwei Verfahren zur Verfügung, die beide ca. 30 bis 60 Minuten in Anspruch nehmen.

  • So ist es möglich, den Eingriff durch die Vagina vorzunehmen. Hierbei wird die Beckenmuskulatur der Betroffenen gestrafft. Organe, die ihre Ursprungsposition infolge des Scheidenvorfalls verloren haben, werden zurückversetzt.
  • In besonders schweren Fällen ist es nicht möglich, die Operation durch die Scheide vorzunehmen. Es muss dann ein ca. fünf Zentimeter langer Schnitt am Unterbauch gesetzt werden, durch den die Operation durchgeführt wird. Zur Raffung der Beckenbodenmuskulatur sowie zur Stärkung des Damms wird auf Scheidenplastiken zurückgegriffen.

Sofern bei der Patientin kein Kinderwunsch besteht, wird bei der Straffung des Beckenbodens ebenfalls die Gebärmutter entfernt (Hysterektomie). Auch ist es möglich, die Operation mit einer Vaginosakropexie zu verbinden. Hierbei wird der Scheidenblindsack durch einen Gewebestreifen in der Beckenhöhle fixiert, um weitere Vorfälle zu vermeiden.

Insbesondere bei älteren oder körperlich sehr geschwächten Frauen ist die Durchführung einer Operation mit zahlreichen Risiken verbunden. Es kann deshalb ratsam sein, auf eine konservative Behandlung mittels eines Pessars zurückzugreifen. Ein Pessar ist ein ring-, schalen- oder würfelförmiges Medizinprodukt. Es wird in die Vagina eingeführt, um die Gebärmutter sowie weitere innere Organe zu stützen. Pessare beheben den Vaginaprolaps allerdings nicht, sondern verhindern lediglich eine weitere Intensivierung des Vorfalls.

Arztsuche

Vorbeugung eines Scheidenvorfalls

Eine Vorbeugung ist nur bedingt möglich. Die Muskulatur des Beckens lässt sich durch gezielte Gymnastik stärken. Die Durchführung derartiger Übungen ist insbesondere nach einer Geburt angezeigt.

Darüber hinaus ist die Vermeidung belastender körperlicher Tätigkeiten hilfreich. Sie sollten keine schweren Lasten heben. Ist eine Vermeidung unmöglich, so ist auf die richtige Haltung zu achten: Wichtig ist, den Rücken beim Heben gerade zu halten. Ferner ist regelmäßiger Sport hilfreich, um die allgemeine Körpergesundheit zu verbessern. Ausdauersportarten wie Schwimmen oder Fahrradfahren erweisen sich als besonders erfolgsversprechend.