Gebärmuttersenkung (Descensus uteri)


Bei einer Gebärmuttersenkung sinkt die Gebärmutter nach unten in die Scheide hinein. Dazu kommt es, wenn sich das Bindegewebe und die Muskeln des Beckenbodens lockern und sich Anteile der Gebärmutter von der Beckenwand ablösen.

Risikofaktoren für die Absenkung der Gebärmutter (in der Fachsprache Descensus uteri) sind unter anderem

  • das Alter
  • eine Bindegewebsschwäche
  • Schwangerschaften und Geburten
  • Übergewicht

Behandelt wird eine Gebärmuttersenkung primär durch konservative Therapiemaßnahmen wie z.B. Beckenbodengymnastik. Tritt durch die konservative Therapie keine Besserung ein, kann die Behandlung einer Gebärmuttersenkung auch operativ erfolgen.

Darstellung einer Gebärmuttersenkung
© Henrie / Fotolia

Definition: Gebärmuttersenkung

Anatomie der Gebärmutter und Entstehung einer Gebärmuttersenkung

Die Gebärmutter (Uterus) ist an Bändern (Ligg. Rotunda, Ligg. Cardinalia) elastisch an der Beckenwand befestigt und wird im unteren Anteil durch die Ligg. Sacrouterinae und den Beckenboden abgestützt. Dieser besteht aus mehreren Lagen von Muskeln und Bindegewebe, die wie eine Art „Hängematte“ an den Knochen des Beckens fixiert sind.

Durch den Beckenboden verlaufen Harnröhre, Scheide und Enddarm. Eine Gebärmuttersenkung entsteht durch die Lockerung des Bindegewebes und der Muskeln des Beckenbodens sowie durch den Abriss von Anteilen von der Beckenwand.

Einteilung der Schweregrade bei einer Gebärmuttersenkung

Die Gebärmuttersenkung beziehungsweise Scheidensenkung wird in vier Stufen bzw. Grade eingeteilt:

  • Grad I: Gebärmuttersenkung, die unter das obere Scheidendrittel, jedoch nicht bis zum Scheideneingang (Introitus) reicht
  • Gras II: Gebärmuttersenkung reicht bis zum Scheideneingang
  • Grad III: Gebärmuttersenkung über den Scheideneingang hinaus
  • Grad IV: Totalprolaps (die Gebärmutter stülpt sich durch die Scheide nach außen und zieht die Scheidenwände mit)

Ursachen und Risikofaktoren für eine Gebärmuttersenkung

Der Grund für eine Gebärmuttersenkung ist am häufigsten eine Schwächung der Beckenbodenstrukturen, die verschiedene Ursachen haben kann. Insbesondere beim Zusammentreffen mehrerer Risikofaktoren kommt es zur Ausbildung einer Gebärmuttersenkung.

  • Alter: Nach den Wechseljahren lässt die Elastizität des Gewebes nach. Die Muskulatur wird weniger, die Gewebedurchblutung lässt nach.
  • Bindegewebsschwäche: Diese ist meist erblich bzw. genetisch bedingt. Weitere Anzeichen dafür sind Krampfadern, Hämorrhoiden oder ausgeprägte Dehnungsstreifen.
  • Schwangerschaften und Geburten: Bereits in der Schwangerschaft verändert sich die Festigkeit des Beckenbodens; das Gewebe wird weicher. Die natürliche Geburt dehnt den Beckenboden sehr stark und es kann zu Muskeleinrissen oder Abrissen der sehnigen Muskelansätze an der Beckenwand kommen. Kommen weitere Faktoren hinzu, wie vaginal operative Geburten mit Saugglocke oder Zangengeburt, sehr schwere Kinder oder rasch aufeinander folgende Geburten, kann dies zu einer bleibenden Überdehnung des Beckenbodens führen.
  • Übergewicht: Dies ist ein Haupt-Risikofaktor für eine Gebärmuttersenkung. Jedes Kilo lastet auf dem Beckenboden und führt zu einer ständigen Überlastung.
  • Heben und Tragen „schwerer“ Gegenstände fördert ebenfalls die Senkung der weiblichen Genitalorgane.

Symptome einer Gebärmuttersenkung

Typisches Symptom einer Gebärmuttersenkung ist ein „Druckgefühl“ nach unten. Auch ein „Fremdkörpergefühl“ in der Scheide tritt häufig bei einer Gebärmuttersenkung auf. Einige Frauen leiden unter ziehenden Unterbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken nach körperlicher Belastung. Diese Symptome werden durch den Zug der Gebärmutter an den Bändern hervorgerufen, an denen sie aufgehängt ist.

Wenn eine Überdehnung des Beckenbodens vorliegt, ist oft auch die Harnröhre nicht mehr fest im Gewebe und an den Ligg. pubo-urethralia fixiert. Bei ungefähr der Hälfte der Betroffenen kommt es zu unwillkürlichem Harnverlust bei körperlicher Aktivität im Sinne einer Belastungsinkontinenz. Aber auch Blasenentleerungsstörungen mit Miktionsbehinderung und unvollständiger Blasenentleerung können vorkommen. Der in der Blase verbleibende Resturin begünstigt die Entstehung von Blasenentzündungen.

Bei einer Senkung der hinteren Scheidenwand (Rektozele) mit Ausstülpung des Enddarms in die Scheide kann es zu Schwierigkeiten bei der Stuhlentleerung kommen.

Wenn die Scheidenschleimhaut bzw. der Gebärmutterhals vorfällt, kommt es zu Druckgeschwüren an der unverhornten Schleimhaut. Diese führen oft zu Blutungen oder einer Besiedelung der Schleimhaut mit Bakterien und Pilzen, das wiederum zu Ausfluss und Geruchsbildung.

Arztsuche

Diagnose einer Gebärmuttersenkung

Bei Vorliegen der oben genannten Symptome sollte ein Frauenarzt konsultiert werden. Zur Basisdiagnostik gehört eine gynäkologische Spekulum- und Tastuntersuchung. Dabei kann der Arzt die Lage der Genitalorgane in Ruhe und beim Pressen beurteilen. Ergänzend wird die Funktion des Sphincter ani beim Zusammenkneifen beurteilt und durch den Hustentest bei voller Blase eine Lockerung der Harnröhre mit Belastungsinkontinenz klinisch verifiziert.

Weitere Untersuchungsmöglichkeiten

  • Darüber hinaus sollte auch eine Restharnbestimmung per Ultraschall sowie eine Sonografie von Blase und Nieren erfolgen.
  • Eine Röntgenuntersuchung der Blase gibt im Vergleich zum Ultraschall keine weiteren Hinweise in Bezug auf die Blasensenkung.
  • Eine Defäkografie kann Hinweise auf komplexe höher gelegene Lage- bzw. Funktionsanomalien des Rektums geben.
  • Die Bedeutung der Kernspinuntersuchung ist noch Forschungsgegenstand.
  • Ein Beckenboden-Check versucht im Rahmen der präventiven Medizin bei der asymptomatischen Frau eine Risikoeinschätzung bezüglich späterer Senkungsbeschwerden.

Therapie einer Gebärmuttersenkung

Nicht jede Gebärmuttersenkung führt auch zu Symptomen bei den Betroffenen. Treten aber Beschwerden auf, sollte nach der Diagnostik eine Therapie eingeleitet werden.

Grundsätzlich sollte primär, außer in akuten Notfällen wie z.B. Harnverhalt beim Totalprolaps, eine konservative nicht-operative Behandlung begonnen werden. Erst wenn diese keine Verbesserung bringt, kann eine Operation indiziert sein.

Konservative Behandlung einer Gebärmuttersenkung

  • Lokale Östrogenisierung: Östrogenmangel im Urogenitaltrakt führt bei Frauen nach den Wechseljahren zu einer reduzierten Ernährung des Gewebes und zu einem rascheren Abbau der Haltestrukturen. Deshalb ist eine Therapie mit estriolhaltigen Salben oder Zäpfchen, die über die Scheide appliziert werden, oft hilfreich bei leichten Senkungs- und/oder Inkontinenzbeschwerden.
  • Beckenbodengymnastik: Wichtig ist aber die Motivation der Patientinnen, die die Übungen mindestens zweimal täglich durchführen sollten.
  • Biofeedback- und Elektrostimulationsbehandlung: Diese Hilfsmittel erleichtern die Übungen des Beckenbodens, indem sie ein Feedback während der Muskelbetätigung abgeben bzw. die Muskulatur über Impulse selber stimulieren.
  • Pessare: Pessare sind schalen-, ring- oder würfelförmig und bestehen aus Hartgummi oder Silikon. Sie werden in die Scheide eingeführt und haben die Aufgabe, das Scheidengewölbe zu spannen und damit die Gebärmutter abzustützen. Allerdings halten Pessare nicht bei jeder Form der Gebärmuttersenkung und können Ulcera und Infektionen hervorrufen.

Operative Behandlung einer Gebärmuttersenkung

Führt eine konservative Behandlung der Gebärmuttersenkung nicht zur Besserung der Symptome, ist eine Operation indiziert. Die Wahl des Operationsverfahrens ist von mehreren Faktoren abhängig:

  • Ausmaß der Gebärmuttersenkung
  • eventuelle Begleitpathologie (Belastungsinkontinenz)
  • Wünsche der Patientin in Hinblick auf Erhalt der Gebärmutter und Erhalt der Fähigkeit zum Geschlechtsverkehr

Operative Zugangswege sind von der Scheide aus, über Bauchschnitt oder Bauchspiegelung möglich.

  • Hysterektomie: Dabei wird die gesenkte Gebärmutter von vaginal, per Bauchspiegelung oder Bauchschnitt entfernt.
  • Fixation des Scheidenendes: Dieses kann an die Haltebänder der entfernten Gebärmutter oder an das Periost des Os sacrum mittels Netzinterponat befestigt werden, um ein postoperatives Hervorstülpen des Scheideneinganges zu vermeiden.
  • Scheidenplastik (Kolporrhaphie): Dabei werden die gesenkten Scheidenwände gestrafft. Allerdings kommt es dabei in fast 30 Prozent der Fälle nach 5 Jahren zu einer Rezidivsenkung.
  • Mesh-Einlage: Durch Verstärkung der Scheidenwände durch ein Netzinterponat und gleichzeitige Fixation des Scheidenendes an den Ligg. Sacrospinalia bzw. sacrotuberalia kommt es zu einer stabileren Korrektur der Gebärmuttersenkung. Allerdings liegen mit dieser Methode noch keine Langzeitergebnisse vor und es können postoperative Schmerzen sowie eine Mesherosion auftreten. Dieses Verfahren eignet sich besonders für Senkungsrezidive. Allerdings kann durch Mesheinlage mit sacrosinaler Fixation auch die Gebärmutter erhalten werden.

Operative Fixierung der inneren Organe bei einer Gebärmuttersenkung

Korrektur einer Belastungsinkontinenz: Besteht gleichzeitig eine Lockerung der Harnröhre mit Belastungsinkontinenz, so kann diese bei der Senkungsoperation mit korrigiert werden. Allerdings kann sich die Belastungsinkontinenz durch die korrigierte Gebärmuttersenkung auch verbessern.

Arztsuche

Prävention einer Gebärmuttersenkung

Eine Senkung des Beckenbodens kann auch nach operativer Korrektur wieder auftreten. Deshalb sollten Sie auch nach einer Operation an die Prävention des Rezidivs denken. Genauso sinnvoll ist es natürlich, schon in jungen Jahren den Beckenboden nicht zu überlasten und ihn durch spezielle Übungen zu trainieren.

Im Wesentlichen sollte auf Normalgewicht und vernünftige sportliche Betätigung geachtet werden. Sportarten, welche für die Kräftigung des Beckenbodens sinnvoll sind, sind

  • Wandern
  • Walken
  • Schwimmen
  • Reiten
  • Tanzen

Weniger günstig sind Sportarten mit abrupten Bewegungen wie

  • Tennis
  • Aerobic
  • Trampolinspringen

Ein Beckenbodencheck beim Frauenarzt kann eine Risikoabschätzung für spätere Senkungsbeschwerden abgeben. Auch eine Geburtsplanung sollte auf die Risiken für den Beckenboden eingehen.

Nach einer Geburt ist es wichtig, dass Geburtsverletzungen und besonders Verletzungen des Musculus sphincter ani erkannt und gut versorgt werden. Wochenbettgymnastik und Rückbildungsgymnastik führen zur Kräftigung der Körpermitte. Im Idealfall werden diese Übungen nach Geburten auch weiterhin regelmäßig durchgeführt.

Das Vermeiden von Heben und Tragen schwerer Lasten entlastet den Beckenboden, der nach den Wechseljahren schwächer wird. Lokale Estriolgaben helfen, die Durchblutung zu erhalten und den Gewebeabbau zu verzögern.

Autor:
Dr. med. Annette Maleika