Urodynamik (urodynamische Untersuchung)


Durch die urodynamische Untersuchung lassen sich die funktionellen Abläufe innerhalb des Harntraktes messen. In der klinischen Praxis beschränkt sich die Urodynamik allerdings in den meisten Fällen auf den unteren Bereich des Harntraktes. Durchgeführt wird die urodynamische Untersuchung also in erster Linie, um zu ermitteln, wie es um die Speicherungs- sowie Entleerungsfunktion der Blase bestellt ist.

Arztsuche

Was ist eine urodynamische Untersuchung?

Die urodynamische Untersuchung umfasst neben der Anamnese eine körperliche Untersuchung samt Miktionsprotokoll sowie die sogenannten urodynamischen Tests. Dabei handelt es sich um

  • die Restharnbestimmung,
  • die Uroflowmetrie,
  • die Urethrometrie,
  • die Zystrometrie,
  • eine Beckenboden-Elektromyographie
  • und eine Sonografie.

Falls nötig, erfolgt außerdem eine videografische Untersuchung. Diese dauert je nach Umfang der Untersuchung und der Blasenkapazität zwischen 30 Minuten und einer Stunde.

Wann ist eine urodynamische Untersuchung angebracht?

Die Urodynamik ist in verschiedenen Fällen gefragt: So ist eine entsprechende Untersuchung angebracht, wenn störende Inkontinenzformen konservativ nicht erfolgreich behandelt werden können. Des Weiteren wird sie vor geplanten Inkontinenzoperationen von Patientinnen durchgeführt. Inkontinenzformen, die sich mit einer einfachen Diagnostik nicht klar einordnen oder sich nicht konservativ behandeln lassen, stellen eine weitere Indikation für die urodynamische Untersuchung dar.

Frau mit Inkontinenz
© absolutimages / Fotolia

Die wichtigsten Tests in der Urodynamik

Die Urethro-Zystotonometrie

Bei diesem Test werden Blaseninnendruck sowie Urethradruck bei einer konstanten Blasenfüllung – etwa 300 Milliliter – gemessen. Die Katheterrückzugsgeschwindigkeit beträgt hier einen Millimeter pro Sekunde. Indem der Druckmesskatheter von der Blase aus durch die Urethra zurückgezogen wird, erhalten die Ärzte ein genaues Profil davon, welche Druckverhältnisse an jedem Punkt der Urethra herrschen.

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Über den Katheter werden also der Blaseninnendruck und der Urethradruck simultan gemessen. Diese Messung wird zweimal durchgeführt: Einmal, wenn die Patientin entspannt ist und einmal, während sie einige Hustenstöße von sich gibt.

Bei kontinenten Frauen wird ein Urethraverschlussdruck (UVD) unter Stress von mehr als 20 cm/H20 sowie ein Depressionsquotient von weniger als 0,5 gemessen. Liegt eine leichte Inkontinenz vor, liegen die Werte bei unter 20 cm/H20, der Depressionsquotient zwischen 0,5 und eins. Bei einer schweren Inkontinenz liegt der Wert UVD unter Stress-Wert sogar im negativen Bereich, während der Depressionsquotient höher als eins ist.

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Die Uroflowmetrie

Bei diesem diagnostischen Verfahren misst der Arzt den Harnausfluss bei der Entleerung der Blase – der sogenannten Miktion. Es handelt sich dabei um eine urologische Basisuntersuchung. Durch diese lässt sich objektiv feststellen, ob eine Blasenentleerungsstörung vorliegt. Neben der Menge des Harndurchflusses in einer festgelegten Zeiteinheit, wird zudem gemessen, wie lange die Blasenentleerung in Sekunden dauert, wie groß der maximale Harnfluss ist und der durchschnittliche Harnfluss. Gemessen wird außerdem, wie lange es vom Beginn des Harnflusses bis zum Maximum dauert und wie groß das Volumen insgesamt ist.

Anschließend wird aus den Werten eine Flusskurve erstellt. Liegen bestimmte Erkrankungen vor, hat diese einen typischen Verlauf. Damit die Messung ordnungsgemäß durchgeführt werden kann, muss die Blase ausreichend gefüllt sein und die Patientin muss warten, bis sie tatsächlich ein starkes Druckgefühl spürt. Erst dann uriniert die Patientin in das Untersuchungsgerät bis zur vollständigen Blasenentleerung. Sobald die Blase geleert ist erfolgt eine Ultraschalluntersuchung, um festzustellen, wie viel Restharn sich noch in der Blase befindet.

Ultraschallgerät
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Das Flow-EMG

Das Flow-EMG ist eine spezielle Art zur Messung des Harnflusses. Dafür bringt der Arzt Elektroden an, die erfassen, wie aktiv die Schließmuskeln sind. Diese Werte werden zusammen mit der Harnflusskurve aufgezeichnet. Der Arzt kann auf diese Weise feststellen, ob sich der Schließmuskel während des Wasserlassens verkrampft hat oder entspannt war.

Diese diagnostischen Aussagen lassen sich mithilfe der Urodynamik treffen

Die Urodynamik macht es dem Urologen bzw. Urogynäkologen möglich, eine Aussage zu unterschiedlichen Funktionsstörungen der Blase wie etwa Inkontinenz zu treffen. Feststellen lassen sich außerdem Über- und Unteraktivitäten oder neurogene Blasenstörungen. Diese lassen sich zudem unterscheiden und in verschiedene Schweregrade unterteilen. Die ergänzende Röntgenuntersuchung dient unter anderem dazu, um abzuklären, ob eventuell ein unphysiologischer Rückfluss von Harn in die Nierenbecken erfolgt.