Gebärmuttervorfall


Nach dem Eintritt in die Wechseljahre oder nach mehreren Geburten ist es normal, wenn die Gebärmutter sich ein wenig absenkt. Sie rutscht dabei tiefer ins Becken. Aus einer solchen Gebärmuttersenkung kann jedoch auch ein Gebärmuttervorfall entstehen, bei dem die Gebärmutter teilweise oder ganz aus der Scheide hervortritt. Dieser kann dann mit Beschwerden verbunden sein.

Ein Vorfall der Gebärmutter ist zwar nicht lebensbedrohlich, kann aber so unangenehm werden, dass sich betroffene Patientinnen zu einem operativen Eingriff entschließen.

Darstellung eines Gebärmuttervorfalls
© Henrie / Fotolia

Was ist ein Gebärmuttervorfall?

Ein Gebärmuttervorfall (Prolaps uteri) bezeichnet das Hervortreten der Gebärmutter aus der Vagina. Dies ist nicht mehr nur ein kosmetisches Problem, sondern sorgt bei den betroffenen Frauen beim Stehen und Laufen für ein Druck- und Fremdkörpergefühl in der Scheide. Im Liegen verschwindet dieses Gefühl wieder, doch beim Geschlechtsverkehr kann die freiliegende Gebärmutter hinderlich sein und Schmerzen verursachen oder sogar verletzt werden.

Die Schwere eines Gebärmuttervorfalls unterteilt man in Stadien. Sobald sich die Gebärmutter aus der Scheide hinaus verlagert, spricht man von einem Gebärmuttervorfall (Prolaps uteri).

  • Partialprolaps: Nur der Gebärmutterhals tritt vor den Scheideneingang
  • Totalprolaps: Auch Anteile des Gebärmutterkörpers treten nach außen

Dabei kann die Senkung auch Anteile der Blasenhinterwand (Cystocele) oder Rektumvorderwand (Rektocele) mit der anliegenden Scheidenwand (Scheidenvorfall, Descensus vaginae) betreffen.

Scheidensenkung
Scheidenvorfall

Ursachen für einen Gebärmuttervorfall

Der Gebärmuttervorfall ist die relativ seltene Folge einer Gebärmuttersenkung. Grundsätzliche Ursache für diese ist ein geschwächter Beckenboden. Dieser besteht aus Bändern und Muskeln und eine Überbelastung kann ihn instabil machen. Eine Beckenbodenschwäche tritt oft nach vaginalen Geburten auf, denn während des Geburtsvorgangs kommt es vor allem beim Pressen zu einer starken Belastung des Beckenbodens. Nur selten kommt es im Anschluss zu einer vollständigen Regeneration.

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Einen entscheidenden Einfluss auf die Schwächung des Beckenbodens hat vor allem der erhöhte Druck im Bauchraum. Risikofaktoren sind demnach:

  • hohes Geburtsgewicht des Kindes
  • mehrere Geburten
  • schwere körperliche Belastung
  • Adipositas
  • chronischer Husten

Arztsuche

In seltenen Fällen kann auch eine angeborene Bindegewebsschwäche zu einem Gebärmuttervorfall führen. Die Hormonumstellung während der Menopause begünstigt ebenfalls eine Senkung und schlimmstenfalls einen Vorfall der Gebärmutter.

Symptome eines Gebärmuttervorfalls

Von Frau zu Frau sind die Symptome und Beschwerden eines Gebärmuttervorfalls unterschiedlich. Ein totaler Vorfall der Gebärmutter zeigt sich oft durch eine nach außen gestülpte Scheide mit Gebärmutter. Eine Gebärmuttersenkung kann oft nur der Gynäkologe unter Bauchpresse erkennen.

Typische Allgemeinsymptome bei einem Gebärmuttervorfall sind

  • Unterleibs- und Rückenschmerzen
  • Fremdkörpergefühl
  • Schmerzen im Bereich von Kreuz- und Steißbein
  • Ausstülpung der Scheide und dadurch Veränderung des Scheidenmilieus (feuchte Schleimhaut trocknet aus, mitunter blutiger Ausfluss und Entzündungen)
  • Harnwegsinfekte und Harninkontinenz
  • Schmerzen beim Stuhlgang oder Verstopfung
  • Vorfall weiterer Organe (z. B. Harnblase, Enddarm)
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Diagnose eines Gebärmuttervorfalls

Eine ausführliche Anamnese sowie eine gynäkologische Untersuchung sind für die Diagnose eines Gebärmuttervorfalls in der Regel ausreichend.

Im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung wird der Arzt die Patientin zum Pressen auffordern, um die genaue Position der Gebärmutter beurteilen zu können. Bei einem Gebärmuttervorfall ist diese meist teilweise oder ganz im Scheidenvorhof erkennbar. Es lässt sich dadurch auch erkennen, ob weitere Organe durch den Beckenboden treten.

Die gynäkologische Untersuchung ist auch deshalb von Bedeutung, da in sehr seltenen Fällen ein verlängerter Gebärmutterhals eine Senkung der Gebärmutter vortäuschen kann, wobei sich der Uterus selbst aber kaum senkt. Auch mögliche Druckgeschwüre kann der Arzt durch die Untersuchung erkennen.

Behandlung eines Gebärmuttervorfalls

Die Behandlung eines Gebärmuttervorfalls ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig:

  • möglicher Kinderwunsch
  • Alter der Patientin
  • Beschwerden der Patientin

Die Auswahl der Therapie erfolgt demnach nach individuellen Gesichtspunkten. Während bei der Gebärmuttersenkung oft schon regelmäßiges Beckenbodentraining Abhilfe verschaffen kann, ist für die Behandlung eines totalen Vorfalls meistens ein operativer Eingriff erforderlich.

Dieser wird unter Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa eine Stunde. Die Operation kann der Arzt durch die Scheide durchführen, weshalb es nicht zur Bildung von Narben kommt. Gelegentlich ist aber auch ein fünf Zentimeter langer Schnitt am Unterbauch notwendig. Durch die Operation sollen die gesenkten oder auch ausgestülpten Organe wieder an ihren ursprünglichen Platz verlagert und dort fixiert werden. Es gibt für den Eingriff verschiedene Optionen.

Die Scheidenplastik (Kolporrhapie) kommt dabei sehr häufig zum Einsatz. Die Beckenbodenmuskulatur wird dabei gerafft, Blase oder Enddarm hochgezogen und anschließend vernäht.

Arztsuche

Besteht kein Kinderwunsch, wird eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) durchgeführt. Dabei entfernt der Chirurg die gesamte Gebärmutter durch die Scheide, der vernähte Scheidenstumpf (gelegentlich mit Muttermund) bleibt übrig. Ein spezieller Gewebestreifen fixiert den Scheidenstumpf mit dem Beckenknochen (Vaginosakropexie), um einen erneuten Vorfall zu verhindern.

Das TVM (Transvaginal Mesh Method) ist eine weitere Technik, bei der zwischen Beckenboden und Blase ein Netz implantiert wird.

Transvaginal Mesh Method
Transvaginal Mesh Method

Leidet die Patientin unter Harninkontinenz, ist ein Eingriff vorzuziehen, der die Funktion der harnableitenden Wege wiederherstellt. Nach dem Eingriff bleibt die Patientin zur Kontrolle noch für etwa drei bis vier Tage in der Klinik, auch wenn bislang keine schwerwiegenden Komplikationen bekannt sind.

Prognose und Vorbeugung eines Gebärmuttervorfalls

Alle Behandlungsansätze bei einem Gebärmuttervorfall haben das Ziel der Symptombekämpfung. Die ursächliche Beckenbodenschwäche wird in der Regel nicht behandelt. Deshalb kann ein erneuter Organvorfall nie ausgeschlossen werden.

Durch ein gutes Beckenbodentraining – unter Umständen auch mit physiotherapeutischer Anleitung – kann die Wahrscheinlichkeit dafür aber minimiert werden. Übermäßige körperliche Belastungen sollten zudem vermieden werden, übergewichtige Patientinnen können das Risiko des Gebärmuttervorfalls durch eine Reduzierung ihres Körpergewichts senken.