„Angelina-Jolie-Screening“ erkennt individuelles Brustkrebsrisiko

Erinnern Sie sich an das Medienecho, das die prominente Schauspielerin Angelina Jolie vor rund fünf Jahren auslöste? Aufgrund eines Gentests prognostizierten die Ärzte bei ihr ein hohes Risiko, im Laufe des Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Daraufhin ergriff Jolie präventive Maßnahmen und ließ sich beide Brüste entfernen – und sie berichtete offen darüber. Der durchgeführte Test habe ihr die Möglichkeit eröffnet, ihr hohes Krebsrisiko zu verringern und so einer möglichen lebensbedrohlichen Erkrankung vorzugreifen.

Ob es angemessen ist, eine Vorsorgeuntersuchung nach einer prominenten Schauspielerin zu benennen, sei dahingestellt. Doch lohnt es durchaus, sich näher mit dem Gentest, den Jolie durchführen ließ, zu befassen – denn er kann Leben retten. Bei diesem „Angelina-Jolie-Screening“ suchen Mediziner nach Mutationen bestimmter Gene, die mit Brustkrebs und Eierstockkrebs in Verbindung gebracht werden.

Der Nutzen liegt auf der Hand. Genetisch vorbelastete Frauen können durch eine engmaschige Beobachtung bei den ersten Anzeichen einer Erkrankung behandelt und meist auch geheilt werden. Brustkrebs ist hierzulande die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Wie eine Studie aus Großbritannien zeigt, könnte ein routinemäßiges Screening die Zahl der Erkrankten deutlich verringern.

Gentest für die Brustkrebsvorsorge
Viele Krebserkrankungen sind genetisch bedingt

Genscreening zahlt sich aus – nicht nur für betroffene Frauen

Würden alle Frauen um die 30 ein solches Screening durchlaufen, gäbe es 12.300 Todesfälle weniger durch Krebs. 64.500 Frauen blieben vor einem Mammakarzinom und 17.500 vor einem Ovarialkarzinom bewahrt. Zu diesem Schluss kam eine Studie der Queen Mary University in London, die jüngst im Journal of the National Cancer Institut veröffentlicht wurde. Nicht nur das: Das Screening sei trotz relativ hoher Kosten von etwa 1.500 EUR kosteneffektiv – so die Forscher.

Kassen und Gesundheitssysteme sparten sich im Gegenzug kostspielige Krebsbehandlungen und Krankenhausaufenthalte. Nicht zuletzt seien verlängerte Lebenszeit und höhere Lebensqualität der betroffenen Frauen Grund genug für eine effektive Vorsorge.

Wie funktioniert dieser Gentest?

Ein solches Screening ist ganz einfach durchzuführen. Es besteht aus einem einzigen Bluttest. Sechs Gene stehen bei dem Vorsorgetest im Fokus – wobei besonders die Mutation zweier Gene das Brustkrebsrisiko erheblich erhöht: BRCA1 und BRCA2. Die Abkürzung steht für das englische Wort „breast-cancer“, also Brustkrebs. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Produktion bestimmter Reparaturproteine. Mutieren diese Gene, sind die Zellen nicht mehr in der Lage, Schäden zu reparieren – entartete Krebszellen können sich ungehindert ausbreiten. Sieben von zehn Frauen, bei denen eine Mutation dieser Gene vorliegt, erkranken im Laufe ihres Lebens an einem Mammakarzinom.

Das Screening gibt nicht nur Aufschluss über das individuelle Brustkrebsrisiko jeder Frau – es liefert auch Erkenntnisse über die Wahrscheinlichkeit, Eierstockkrebs zu bekommen. Hier besteht bei bestimmten Genmutationen ein bis zu 60 % erhöhtes Risiko, an einem Ovarialkarzinom zu erkranken. Anders als Brustkrebs endet Eierstockkrebs in fast allen Fällen mit dem Tod der Patientin. Umso wichtiger, das Risiko bereits im Vorfeld zu kennen, um rechtzeitig entgegenzusteuern.

„Angelina-Jolie-Screening“ – künftig Kassenleistung?

Derzeit erstatten die Krankenkassen Leistungen für ein Genscreening nicht. Besonders Frauen mit Brustkrebsvorgeschichte in der Familie könnten aber von dem Test profitieren. Wer es sich allerdings nicht leisten kann, die Kosten für die Untersuchung aufzubringen, muss weiterhin mit dem Damoklesschwert einer drohenden Krebserkrankung leben. Aber wer weiß – vielleicht lassen sich die Krankenkassen früher oder später von der Kosten-Nutzen-Rechnung überzeugen, die die britischen Forscher aufgemacht haben. Wünschenswert wäre es!


von Die Redaktion. 05.03.2018


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