Das Für und Wider einer Mammographie

Ein Mammographie-Screening macht bereits sehr kleine Tumoren sichtbar, so dass eine frühzeitige Behandlung möglich ist. Mammographie, das eine Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust, und die Krankenkassen bezahlen sie allen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren als Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung.

Doch trotz der hohen Genauigkeit eines Mammographie-Screenings steht der Nutzen des Mammographie-Screenings in der Kritik.

Studie bestätigt: Mammographie-Screening hat weniger starken Nutzen

Lange galt das Mammographiescreening als beste Lösung zur Krebsfrüherkennung. Mediziner erhofften sich, dass Frauen früher eine adäquate Behandlung bekommen und die Sterblichkeitsrate sinkt. Noch 2010 gingen schwedische Ärzte davon aus, dass regelmäßige Mammographien die Zahl der Todesfälle durch Brustkrebs um 20 % senken könnten.

Das Team des Physikers Robert Wilson an der Harvard Universität nahm sich 2015 noch einmal die Untersuchungen (2010) aus Schweden vor und wertete Daten von 16 Millionen im Jahr 2000 mindestens 40-jährigen Frauen aus 547 Landkreisen der USA aus. Die Studie ergab, dass mit der Zahl der untersuchten Frauen auch die Zahl der Brustkrebsfälle stieg – das wundert nicht, denn mit dem Screening werden Tumoren diagnostiziert, die ohne die Untersuchung unentdeckt geblieben wären.

Heute vertreten die meisten Mediziner die Überzeugung, dass Mammographie-Screenings die Zahl der Brustkrebstodesfälle zwar senken kann, allerdings nicht so stark wie angenommen. Zudem finden die Ärzte beim Screening auch Tumoren, die gar keine Probleme bereitet hätten (Überdiagnose). Ein kleiner Tumor muss keineswegs immer sofort therapiert werden. Manchmal ist es sinnvoller, die Entwicklung zu beobachten.


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Behandlung durchführen – oder ablehnen?

Infolge einer solchen falsch-positiven Diagnose nehmen betroffene Frauen Behandlungen wahr, die vielleicht gar nicht notwendig wären. Viele Patientinnen sehen sich wegen dieser Diagnose zudem großem psychischem Stress ausgesetzt.

Daher müssen sich Frauen entscheiden, ob sie ein Mammographie-Screening wahrnehmen und möglicherweise eine falsch-positive Diagnose erhalten, oder ob sie auf die Vorsorgeuntersuchung und damit auf eine mögliche frühzeitige Erkennung von Brustkrebs verzichten. Die Mammographie arbeitet mit Röntgenstrahlen, die selbst die Chance auf die Entwicklung eines Tumors leicht erhöhen. Keine leichte Wahl!

Es bedeutet auch eine enorme psychische Belastung, sich gegen eine Mammographie zu entscheiden und das Risiko des frühzeitigen Krebstodes einzugehen. So ist es verständlich, dass den meisten Frauen die Entscheidung für oder gegen Screening schwer fällt. Sie sollen abwägen, ob sie eine Strahlenbelastung in Kauf nehmen oder mit einer möglichen Überbehandlung zurechtkommen müssen. Auch eine Ultraschalluntersuchung steht zur Wahl. Diese müssen Sie als individuelle Gesundheitsleistung jedoch selbst bezahlen (IGeL-Leistung).

Neues Informationsblatt soll Frauen die Entscheidung leichter machen

Bisher lag der Einladung zum Screening ein Merkblatt bei, das Frauen die Entscheidung für oder gegen die Mammographie leichter machen sollte. Die Informationen hierin waren jedoch dürftig. Nun hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Broschüre überarbeitet. Sie orientiert sich jetzt stärker an internationalen Standards. Diese ausführliche Informationsbroschüre kann für Frauen, die zum Mammorgraphie-Screening eingeladen werden, eine Entscheidungshilfe sein.

» Sie können sich die Broschüre von der Webseite des G-BA herunterladen und selbst durchlesen.

Fazit zum Mammographie-Screening

Nach dem Patientenrechtegesetz ist der Arzt verpflichtet, seine Patientinnen genau über die Vor- und Nachteile relevanter Behandlungen aufzuklären. Doch die Entscheidung für oder gegen das Mammographie-Screening kann Ihnen kein Arzt abnehmen. Er kann auch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob ein kleiner Tumor durch Röntgenuntersuchung oder Ultraschall leichter entdeckt wird und wie die Behandlung ausgehen wird. Ein Rest Unsicherheit bleibt immer.

Das wichtigste ist jedoch, dass Sie sich mit dieser Frage eingehend beschäftigen, so dass Sie gut informiert ihre persönliche Entscheidung treffen können.


von Die Redaktion. 24.01.2018


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