Neuartige Impfung zur Bekämpfung von Gebärmutterhalskrebs?

Ein weiterer Schritt im Kampf gegen Krebs scheint getan. Möglicherweise können Frauen mit Gebärmutterhalskrebs bald auf bessere Heilungschancen hoffen. Der durch humane Papillomviren (HPV) ausgelöste Krebs zählt bei Frauen zu den häufigsten Krebserkrankungen. Zwar gibt es bereits eine erfolgreiche präventive Impfung für junge Frauen – doch Krebs heilen kann sie nicht. Nun haben Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) eine Impfung mit therapeutischem Charakter entwickelt, die weit über einen Impfstoff hinausgeht. Erste Versuche mit Mäusen lassen hoffen: Bei der Hälfte der behandelten Tiere bildeten sich die Tumoren vollständig zurück.

Therapeutische Impfung – heilen statt vorbeugen

Die jetzt von den Forschern des Deutschen Krebsforschungszentrums entwickelte Impfung ist keine Impfung im eigentlichen Sinne. Zwar rufen sowohl die bereits bekannten als auch die neuen Impfstoffen eine Reaktion des Immunsystems hervor – doch jeweils eine völlig andere. Bei einer präventiven Schutzimpfung bildet das Immunsystem Antikörper, die unseren Organismus künftig vor einer HPV-Impfung schützen.

Die Immunantwort bei der neuartigen therapeutischen Impfung ist wesentlich komplexer und zielt auf etwas ganz anderes ab – die Vernichtung bereits vorhandener Krebszellen.

Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs
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Krebszellen – vom Immunsystem ausgetrickst

Hauptbestandteil der therapeutischen Impfung sind sogenannte Epitope – molekulare Strukturen, die eine bestimmte Reaktion des Immunsystems auslösen. Sie schlagen im Immunsystem Alarm, das sogleich zytotoxische T-Helferzellen aussendet. Diese Zellen werden nicht umsonst als Killerzellen bezeichnet. Sie sind in der Lage, kranke und entartete Zellen als solche zu erkennen und zu vernichten.

Der Impfstoff wird zunächst in die Lymphknoten – das Schaltzentrum des Immunsystems – transportiert. Von dort aus beginnt der strategische Angriff auf entartete Krebszellen. Trifft eine Killerzelle auf eine Krebszelle, setzt sie sich an den Rezeptoren der erkrankten Zelle fest und gibt zytotoxische Proteine an sie ab. Dadurch leitet die Helferzelle den programmierten Zelltod ein. Salopp gesagt stiften die T-Zellen Krebszellen also schlichtweg zum Selbstmord an – und das mit Erfolg.

Immerhin waren bei der Hälfte der Mäuse nach der Behandlung keine Krebszellen mehr nachweisbar. Bleibt allerdings abzuwarten, ob sich diese Auswirkungen auf den Menschen übertragen lassen. Derzeit befindet sich der Impfstoff noch in der vorklinischen Entwicklungsphase.

Unter anderem geht es darum, die Erfolgsquote von 50 Prozent deutlich nach oben zu verschieben. Auch gilt es, die Wirksamkeit der therapeutischen Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs mit weiteren Studien zu untermauern, bevor es an die klinische Erprobung am Menschen geht. Lesen Sie hier mehr zur Impfung.

Nach wie vor wichtig: Prophylaxe durch Schutzimpfung

Zwar sind die Heilungschancen für Gebärmutterhalskrebs in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen – doch immer noch versterben hierzulande jedes Jahr etwa 1.500 Frauen daran. Von einer Schutzimpfung gegen humane Papillomviren, die als Auslöser von Gebärmutterhalskrebs gelten, können lediglich junge Frauen und Mädchen profitieren. Denn wirklich wirksam ist die vorsorgliche Impfung nur bei Frauen, die noch keine Infektion mit den sexuell übertragbaren Viren durchgemacht haben.

Bei dieser Bevölkerungsgruppe stellt die HPV-Impfung eine wichtige Prophylaxe gegen Gebärmutterhalskrebs dar. Leider wird die wirksame Schutzimpfung von Mädchen und jungen Frauen nur zögerlich angenommen. Bisher entscheidet sich nur die Hälfte für eine Impfung. Deswegen ist die Aufklärung der Eltern hier von besonders großer Bedeutung: Denn diese eine Impfung ihrer jungen Tochter verhindert eine spätere Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs zu nahezu 100 %.

Hoffen auf bessere Heilungschancen

Erwachsenen Frauen bleiben derzeit nur regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung. Die wird auch die erfolgreiche Einführung einer therapeutischen Impfung nicht überflüssig machen. Denn wie bei jeder Krebsart gilt: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser die Heilungschancen. Doch die Impfung wird Frauen, die bereits Krebs oder eine Krebsvorstufe entwickelt haben, künftig helfen, Gebärmutterhalskrebs zu besiegen. Bleibt zu hoffen, dass sich die therapeutische Impfung auch bei klinischen Studien als erfolgreich erweist.


von Die Redaktion. 03.02.2019


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