Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom)



Gebärmutterkrebs (auch Gebärmutterkörperkrebs) ist eine bösartige Gewebeneubildung des Uterus (Gebärmutter). Anders als beim Gebärmutterhalskrebs entsteht diese zumeist im oberen Bereich der Gebärmutter, dem sogenannten Gebärmutterkörper. Gebärmutterkrebs geht zumeist von der Schleimhaut des Uterus – dem Endometrium – aus. In diesen Fällen spricht der Arzt von einem Endometriumkarzinom.

Das Endometriumkarzinom ist nach dem Brust-, Darm- und Lungenkarzinom die vierthäufigste Tumorerkrankung der Frau und die häufigste Krebserkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane. Etwa 11.300 Frauen erkranken jährlich in Deutschland an diesem Tumor. Vor allem Frauen nach den Wechseljahren erkranken an dieser Form des Krebses. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 75. und 79. Lebensjahr. Vor dem 40. Lebensjahr tritt Gebärmutterkrebs äußerst selten auf.

Wird der Tumor früh entdeckt und entfernt, bestehen gute Heilungschancen.

Weibliche Fortpflanzungsorgane, im Uterus kann sich Gebärmutterkrebs ausbilden
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Die Symptome von Gebärmutterkrebs

Leitsymptom sind ungewöhnliche Blutungen aus der Vagina. Hierzu gehören insbesondere:

  • mehrtägige Blutungen außerhalb der Menstruation
  • blutiger oder blutig eitriger Ausfluss zwischen den monatlichen Regelblutungen
  • verlängerte Menstruation
  • plötzliche Blutungen nach den Wechseljahren

Im fortgeschrittenen Stadium kommen zudem

  • Schmerzen im Bereich des Unterbauchs
  • Gewichtsverlust
  • in einigen Fällen Störungen beim Wasserlassen und Stuhlgang

hinzu.

Die Ursachen für die Entstehung von Gebärmutterkrebs

Die zugrundeliegenden Ursachen eines Gebärmutterkrebses sind bislang nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bestimmte Formen der Krebserkrankung auf ein hormonelles Ungleichgewicht nach der Menopause zurückgeführt werden können. In den Wechseljahren stellt der Körper die Produktion von Gestagenen (sogenannten Gelbkörperhormonen) ein, während er zunächst weiterhin Östrogene synthetisiert. Östrogene stimulieren das Zellwachstum in der Gebärmutterschleimhaut. Diese wird mit Ausbleiben der Regelblutung in den Wechseljahren nicht mehr ausgestoßen und erneuert.

Da die Gestagene als Gegenspieler der Östrogene fehlen, kommt es zu einem unkontrollierten Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und schließlich zur Entwicklung eines Tumors – eines sogenannten östrogenabhängigen Karzinoms (Typ I).

Daneben gibt es auch östrogenunabhängige Tumore (Typ II). Die Ursachen für diesen Typ des Endometriumkarzinoms sind weitgehend unbekannt. Aufgrund der familiären Häufung gehen Wissenschaftler und Mediziner aber davon aus, dass eine genetische Komponente eine Rolle spielt.

Faktoren, die das Risiko für Gebärmutterkrebs beeinflussen

Mehrere Faktoren begünstigen nach heutigen Stand die Entstehung des Tumors – insbesondere eines östrogenabhängigen Karzinoms. Hierzu gehören:

  • längerfristige Östrogentherapie in den Wechseljahren ohne gleichzeitige Gestagentherapie
  • Übergewicht, da Fettzellen Östrogen produzieren
  • PCO-Syndrom (polyzystische Ovarien bedingen einen gestörten Hormonhaushalt)
  • früher Beginn und spätes Ende der Menstruation
  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • keine Schwangerschaften
  • Brustkrebs
  • Tamoxifen-Therapie (medikamentöse Nachbehandlung bei Brustkrebs)
  • erhöhtes familiäres Darmkrebsrisiko
  • Strahlentherapie im Becken- und/oder Bauchraum aufgrund einer anderen Krebserkrankung
  • Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut (atypische Hyperplasie)

Arztsuche

Offenbar gibt es jedoch auch Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von Gebärmutterkrebs entgegenwirken, darunter:

  • Mehrere Schwangerschaften (Multiparität)
  • körperliche Betätigung
  • Einnahme von Kontrazeptiva („Pille“)
  • lebenslange sojareiche Ernährung

Behandlung von Gebärmutterkrebs

Die Therapie ist abhängig vom Fortschritt und der genauen Art der Krebserkrankung. Sie erfolgt in Kooperation zwischen Ihrem Gynäkologen und einem spezialisierten Zentrum für Genitalkrebs (Gynäkologische Onkologie). Die Ärzte treffen jede Behandlungsentscheidung individuell und gemeinsam mit der Patientin.

Zumeist ist eine Totaloperation bzw. Hysterektomie erforderlich. Dabei entfernt der Chirurg die Gebärmutter, die beiden Eierstöcke und Eileiter sowie die angrenzenden Lymphknoten.

Das entfernte Gewebe wird im Labor untersucht und der Pathologe beurteilt, ob und in welchem Ausmaß Gewebe und Lymphknoten vom Tumor betroffen sind. Von dieser Einschätzung hängt beispielsweise auch ab, ob auch Teile der Vagina entfernt werden müssen oder nicht.

Die hormonelle Therapie spielt bei einem Krebs der Gebärmutterschleimhaut lediglich eine untergeordnete Rolle. Sie kommt nur dann infrage, wenn eine Operation oder Strahlentherapie nicht möglich ist oder Kinderwunsch besteht.

Kinderwunsch kann unter bestimmten Voraussetzungen erfüllt werden

Bei Frauen mit starkem Kinderwunsch und einer weniger aggressiven Krebserkrankung in einem sehr frühen Stadium führen die Ärzte vorübergehend eine Hormontherapie mit künstlichen Gestagenen durch. Diese hemmen das Wachstum des Tumors zumeist zwar nicht dauerhaft. Dennoch kann in dieser Zeit häufig ein Kinderwunsch umgesetzt werden. Im Anschluss an eine solche fertilitätserhaltende Therapie ist eine dem Stadium entsprechende chirurgische Behandlung erforderlich.

Wann kommt eine Strahlen- oder Chemotherapie infrage?

Im Anschluss an die Operation führen die Ärzte bei Patientinnen mit aggressiven Krebsarten oder einer fortgeschrittenen Krebserkrankung eine Strahlentherapie durch (= sogenannte adjuvante Strahlentherapie). Diese soll die eventuell im Körper verbliebenen Krebszellen abtöten und so das Rezidivrisiko (Rückfallrisiko) senken.

Hat Ihr Arzt ein weit fortgeschrittenes Karzinom entfernt, zieht er auch eine Chemotherapie bzw. eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie in Betracht.

In manchen Fällen ist eine Operation aufgrund eines unvorteilhaften Allgemeinzustands oder eines zu großen Tumors zunächst nicht möglich. In diesem Fall kann eine Strahlentherapie den Tumor verkleinern, die Operation erfolgt dann später.

Wie sieht die Prognose bei Gebärmutterkrebs aus?

Bei früher Diagnose und Therapie ist die Prognose eines Gebärmutterkrebses gut. Etwa 75 Prozent der Frauen mit einem Gebärmutterkarzinom bleiben nach einer erfolgreichen Behandlung auf Dauer geheilt.

Aber auch bei Patientinnen mit einer stark fortgeschrittenen Krebserkrankung, bei welcher der Krebs bereits die Harnblase und/oder Darmabschnitte befallen hat, ist unter bestimmten Umständen noch eine Heilung möglich. Hierzu muss allerdings das gesamte befallene Gewebe entfernt werden, was zumeist mit der Anlage einer künstlichen Harnableitung oder eines künstlichen Darmausgangs verknüpft ist.

Die Nachsorge

Patientinnen mit einem Gebärmutterkarzinom sollten in den ersten ein bis drei Jahren nach Abschluss der Behandlung regelmäßig Nachsorgetermine wahrnehmen. Die Abstände sollten nicht länger als 3-6 Monate sein.

Bei etwa 11 Prozent der Frauen mit Gebärmutterkrebs im frühen Stadium entwickeln sich lokale Rückfälle. Bei früher Diagnose ist gegebenenfalls eine Operation und damit eine Heilung möglich. Daher gilt für alle betroffenen Frauen: Auffällige Veränderungen sind ein Grund, umgehend Ihren Arzt aufzusuchen und nicht erst den nächsten Nachsorgetermin abzuwarten.

Gibt es Maßnahmen zur Früherkennung von Gebärmutterkrebs?

Im Gegensatz zum Abstrich zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs existieren beim Gebärmutterkrebs keine geregelten und routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen.

Bei Vorliegen mehrerer Risikofaktoren (Hochrisikopatientinnen) führt der Gynäkologe in aller Regel aber regelmäßige Ultraschalluntersuchungen von der Vagina aus durch, um eine Krebserkrankung frühzeitig erkennen zu können.

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Zusammenfassung: Bei frühem Behandlungsbeginn gute Heilungschancen

Bei frühzeitiger und vollständiger Entfernung des Tumors sind die Heilungschancen bei einem Gebärmutterkrebs gut. Ein regelmäßiges Screening durch Ultraschalluntersuchungen führt der Frauenarzt nur bei Risikopatientinnen durch.

Nehmen Sie daher Blutungsunregelmäßigkeiten in jedem Fall ernst und suchen Sie frühzeitig Ihren Gynäkologen auf, wenn Sie diese beobachten.